Die Turn- und Gymnastikabteilung bietet Sport für Flüchtlinge an


Die ersten Eindrücke beim Leichtathletiktraining für Flüchtlinge


Nach der Handballabteilung ist auch die Turn- und Gymnastikabteilung am Sportangebot für Flüchtlinge beteiligt. Dreimal in der Woche wird für Kinder ein externes Leichtathletiktraining auf dem Gelände der Karl-Bonhoeffer-Nervenklinik angeboten.

Kinder zwischen 6 bis 14 Jahren können sich sportlich betätigen und werden spielerisch an die Leichtathletik herangeführt.


Wir bitten um Unterstützung der Vereinsaktivitäten in jeglicher Form. Wir benötigen dringend Sportmittel für die Kinder, insbesondere Sportbekleidung und Sportgeräte. Unsere Fußballabteilung hat bereits ein großes Kontingent an Fußbällen gespendet.


Betritt man das Gelände der KBoN überkommt einen ein unwohliges Gefühl. Das Grün täuscht ein unwirkliches Idyll vor. Nach ein paar Minuten Fußweg erreicht man einen gesicherten Bereich, das so genannte

 >> Krankenkaus des Maßregelvollzugs.

Kinder, die in ihrem jungen Leben bereits viel Leid erleben mussten, passieren täglich diese bedrückende Einrichtung. Hinter dem alten Betonsportplatz lassen sich dann auch Einmalspritzen finden.


Der Sportplatz selbst kann nur dem Namen nach als solcher bezeichnet werden. Als Notlösung muss er jedoch willkommen sein. Der zerschlissene Kunststoffbelag hat die Dicke einer Dachpappe und fühlt sich so ähnlich an.

Die auf dem Gelände befindliche Sporthalle darf aus baulicher Sicht nicht benutzt werden. In der Nähe gelegene Sporteinrichtungen würden umfangreiche Shuttle-Dienste erfordern, von behördlichen Erfordernissen ganz zu schweigen. Bleibt also nur das, was tatsächlich auf dem Gelände vorhanden ist – und was man so alles zum Trainingsbetrieb mitbringt.


Am 27. Juli 2015 kamen insgesamt 11 Kinder im Alter zwischen 6 und 9 Jahren zur ersten Trainingseinheit. Kinder aus den verschiedensten Herkunftsländern, die allesamt hervorragend Deutsch sprechen, superlieb, supernett, hilfsbereit, mit vorbildlichem Sozialverhalten. Aber, man ja kann nicht alle adoptieren – leider.


Die sechsjährige Jasmina spricht eben mal so 8 Sprachen. Wie alle Anderen ist sie von einer erfrischenden Art. Es macht wahnsinnig viel Spaß mit dieser Gruppe.


Und das Training selbst am ersten Tag: Sprints und Staffel sowie Ballwürfe und Spiele, unterbrochen von kleinen Pausen, in denen Äpfel und Buchecker gesammelt wurden.


Die Größeren waren am Mittwoch dabei. Natürlich ist es für einen Trainer nicht immer einfach, wenn ein knappes Dutzend Jungen den mitgebrachten Fußball entdecken und den Sportplatz am liebsten für sich beanspruchen würden. Wo Bewegung ist, wird geschaut und mitgemacht. Anders geht es auch nicht. So weit, wie möglich, wird versucht, alle zu integrieren und sportlich zu beschäftigen. Da ist viel Improvisationstalent gefragt, denn das Konzept hält gerade mal so lange, wie die ersten Kinder erscheinen. Die jungen Damen, die dann schon zwischen 9 und 11 Jahren sind, wollen im Normalfall nicht gemeinsam mit den Jungen Sport machen, sie wollen auch nicht, dass sie zugucken, sondern lieber unter sich bleiben.


Die paar Minuten Zeit, in der nur die Jungen anwesend sind, können zum eigentlich nicht geplanten Fußballspiel genutzt werden. Auch hier merkt man, dass es Jungen sind, die sich mitunter genauso verhalten, wie die Einheimischen und Fußball als Einzelsportart verstehen. Sie freuen sich aber über Balltraining 2 gegen 5 und ein kleines Match. Aus dem Einzeltraining wird plötzlich doch Mannschaftssport.


Von der einen geplanten Stunde kann man nie ausgehen. Es sind eher zwei und die Zeit vergeht, wie im Fluge. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen. Eine Anwesenheitsliste wäre nur Makulatur.


Wenn der Hartplatz dann mal wirklich nicht zu benutzen ist, bleiben die umliegenden Grünflächen. Gelenkschonender sind sie allemal. Nur bei Würfen stören herunterhängende Äste.


Neben dem schon oben erwähntem Bedarf an Sportsachen, stellen sich nach und nach weitere „Baustellen“ dar. Eine junge Dame würde gerne Basketball spielen und ist von ihrem Typ und Bewegungsablauf auch dort mit Sicherheit am besten aufgehoben. In ihrer Heimat hat sie aktiv gespielt.

Schule und die Trainingszeiten im Verein kollidieren und hindern so die Nächste am Fußballtraining in dem Verein, bei dem sie bis vor kurzem noch aktiv war. Weite Wege zu unseren Abteilungen, stellen sich als echte Hindernisse dar. Wir bräuchten einen Shuttle-Dienst und vielleicht auch Patenschaften, um die Vereinsaktivitäten zu unterstützen.


Eine Zwischenbilanz: Es ist für jeden mit Sicherheit eine tolle Erfahrung, zu erkennen, wie dankbar bereits kleine Gesten der Zuwendung von diesen Kindern aufgenommen werden.


Aller Euphorie zum Trotze, ebbte das Sportinteresse abrupt in dem Moment ab, als die Hitzeperiode begann. Die Einrichtung gibt sich viel Mühe in der Freizeitgestaltung der Kinder. Dass es da mitunter nicht leicht fällt, aus den vielfältigen Angeboten zu wählen, liegt auf der Hand. Die Sozialarbeiter müssen quasi jeden Einzelnen mehrmals am Tag ansprechen, an das Sportangebot erinnern und möglichst noch an die Hand nehmen. Das dass insbesondere in der Urlaubszeit kaum zu leisten ist, überrascht niemanden.


Wir reduzieren unser Sportangebot nunmehr auf nur noch eine Trainingseinheit pro Woche.


Sehr erfreulich ist, dass unsere Initiative anderen Vereinen nicht verborgen blieb. Ralf Detka vom VfL Tegel machte sich selbst ein Bild vom Projekt und bekundete spontan sein Interesse, vereinsübergreifend zu unterstützen.