ECCC – Europapokal der Clubmannschaften


Für den Europapokal der Clubmannschaften qualifizieren sich die besten Vereinsteams der nationalen Verbände, im Fall des DLV die Sieger der letztjährigen Team-DM.

2018 belegte die wU20 der LG NORD Berlin zwar „nur“ den 3. Platz, war jedoch als Nachrücker nominiert worden. Die teilnehmenden Teams repräsentieren ihren nationalen Verband und damit ihr Herkunftsland.

Die teilnehmenden Vereine verteilen sich auf 3 Gruppen. Jede Gruppe besteht aus 8 Vereinen. Aus jeder Gruppe kann man auf- bzw. absteigen.

Das Deutsche Team war für die Gruppe B qualifiziert. Anders als bei der Team-DM wird nur ein(e) Starter(in) pro Verein zugelassen. Die Mannschafts-Aufstellung musste bereits vor Monaten vorgenommen/eingereicht werden. Zwar war ein Wechsel noch vor Ort möglich, jedoch praktisch nicht realisierbar.

So gesehen waren alle Athleten im Vorfeld gefordert, ihre Bestleistung zu erbringen und vor allen Dingen, gesund zu bleiben.

Für diesen Wettbewerb wird nicht nach der der DM-Punktewertung abgerechnet, sondern nach der tatsächlichen Platzierung der 8 Teams pro Wettbewerb. Der Sieger erhält 8 Punkte, der Letzte 1 Punkt, es sei denn, er scheidet aus. Dann gibt es 0 Punkte. Bei gleichen Leistungen (z. B. Hochsprung) werden die Punkte geteilt.

Nominiert für den VfB Hermsdorf waren Cosima Scharf und Henriette Brüning. Während Henriette leider verzichtete, „pendelte“ Cosima zwischen den 1500 und 3000 m. Schließlich ging sie über die 1500 m an den Start.

Das Team bestand aus 17 Personen, 4 Trainer (drei vom TF, einer vom VfB), 13 Athletinnen (11 vom TF, eine vom BSC Rehberge, eine, Cosima Scharf, vom VfB).

Da quasi eine Nationalmannschaft am Start war, war die Ausstatterfrage von erheblicher Bedeutung.

So mussten sich die Hermsdorfer klar dem Dress-Code der Mehrheit unterwerfen. Und das hieß: Start und Präsentation im Stadion im PUMA-Outfit.

Die Organisation der Wettkampfreise wurde komplett und erstklassig vom TF gemanagt.

Am Freitag, dem 20.09.2019, reiste dann das Team in 2 Gruppen zum Zielort, Leiria, Portugal.


Freitag, den 20.09.2019

Eine 9-köpfige Gruppe, betreut durch Carina Balcerowski und Jan Keil fand sich am frühen Morgen auf dem Flughafen Tegel ein und hatte noch den Stab und einen Speer zu verlasten. Die andere Gruppe, betreut durch Byron Casfor und mich, traf sich am Flughafen Schönefeld. Beide Gruppen mussten einen Zwischenstopp einlegen, die Schönefelder Gruppe sogar das Gepäck neu verladen.

In Lissabon angekommen, ging es dann noch rund 1 ½ Stunden mit dem Shuttle zum Zielort Leiria.

Rund 12 – 13 Stunden waren die Gruppen unterwegs – und müde.

Nach dem Abendessen im Stadion erfolgte gegen 22:00 die obligatorische Mannschaftsbesprechung und Einstimmung auf den Wettkampftag.

Jan und Carina übermittelten sämtliche Ergebnisse vom vorangegangenen Technical Meeting.

Startnummern und weiter Kennkarten für Trainingsanzüge, Rucksäcke, Akkreditierungskarten für Athletinnen und Betreuer – es galt viel zu verstauen. Ausweise mussten am Wettkampftag immer am Mann/an der Frau bleiben – für die Legitimierung, insbesondere für mögliche Dopingkontrollen.

Ein langer Tag ging zu Ende.


Samstag, den 21.09.2019 - der Wettkampftag

Frühes Aufstehen war angesagt. Gegen 07:00 gab es Frühstück. Das Trainerteam und die ersten Wettkämferinnen ließen sich gegen 08:00 mit dem Shuttle ins Stadion bringen. Bis 09:00 war dann das komplette LG NORD-Team vor Ort.

Regen war für den ganzen Tag prognostiziert. Und der Wetterbericht behielt recht. Über den ganzen Tag nervte ein penetranter Nieselregen, unterbrochen von Regen und Starkregen. Es waren also Bedingungen, die eigentlich nicht gerade zu Höchstleistungen animieren konnten und dennoch waren unsere Athletinnen hoch motiviert, trotz der Reisestrapazen und des wenigen Schlafs.

Für 09:30 war der „Einmarsch der Nationen“ vorgesehen. Da alle Athletinnen in der Vorbereitung auf die Wettkämpfe waren und auch die übrigen Trainer ihren originären Verpflichtungen nachzukommen hatten, blieb es allein mir vorbehalten, die Deutschen Farben zu vertreten. Ähnlich erging es den anderen Vereinen, zwei waren überhaupt nicht zugegen. Auch wenn ich diese Zeremonie selbst stets als überflüssig abgetan habe, muss ich mich nun doch revidieren. Es ist schon beeindruckend und ergreifend, sich mit den anderen Nationen vereint zu repräsentieren. Und Hermsdorf, nun, international, ist ja auch nicht alltäglich...

Kurz danach starteten die Wettbewerbe. Ziel war es, den Allzeitrekord von 72 Punkten, den LG NORD-Athletinnen beim ECCC aufgestellt haben, zu knacken. Um den Klassenerhalt hat niemand gebangt.

Alle Athletinnen wuchsen über sich hinaus. Die LG NORD-Tröte stand im Dauereinsatz.

Welche besonders hervorzuheben, ist eigentlich nicht möglich. Dennoch ist es Emilia Kaufmann, die sich zum Start über die 2000 m Hindernis zur Verfügung stellte und ein mutiges Rennen lief, für mich die Athletin mit der am höchsten zu bewertenden Leistung. Als jemand, der selbst über die Hindernisse an den Start ging, kann ich am besten beurteilen, was die junge Athletin auf sich genommen hatte.

Auch Elisabeth Rogoll, die nach den 800 m und 3000 m auch noch als Schlussläuferin der 4 x 400 m-Staffel glänzte und dabei sogar noch einen Platz gutmachte, stand dem um nichts nach. Sie leistete das mit Abstand härteste Tagesprogramm!

Und dann war da noch Caroline Joyeux, die allein 16 Punkte durch die Siege im Weit- und Dreisprung für ihr Team sammelte und das Punktekonto gravierend nach oben schraubte.

Top-Leistungen in allen Bereichen vom Sprint bis zur Langstrecke, über die Kurz- und Langhürden, bei Horizontal- und Vertikalsprüngen sowie in allen Wurfwettbewerben ließen das Punktekonto stetig anwachsen.

Als Cosima aus dem Callroom zum 1500 m-Start geführt wurde, öffnete der Himmel buchstäblich alle Schleusen. In den wenigen Minuten bis zum Start waren die Athletinnen komplett durchnässt. Pünktlich ertönte der Startschuss. Cosima, nicht für ihren Katapultstart bekannt, setzte sich nach 50 m an die Spitze. Das war so nicht zu erwarten, denn die Konkurrenz war auf jeden Fall stärker einzuschätzen. Gerne hätte Cosima ihre Führung abgegeben, aber niemand aus dem Lauf wollte die Initiative ergreifen. Tapfer machte sie das Tempo.

Seit gut einem halben Jahr ist Cosima erst in der Leichtathletik dabei und hat schon eine Berlin-Brandenburgische Meisterschaft errungen, hat in der Mannschaft einen 7. Platz bei Deutschen Meisterschaften erkämpft und kam nun zu ihrem ersten internationalen Einsatz. Eine steile Karriere….

Leider musste das Trainingspensum nach der Team-DM in Folge einiger gesundheitlicher Probleme komplett heruntergefahren werden, aber Cosima war rechtzeitig zum ECCC wieder fit.

Rund 1100 m gab Cosima ihre Führungsposition nicht ab, dann wurde der Schalter umgelegt. 4 Athletinnen stürmten eingangs der letzten Runde so vehement vorbei, dass Cosima nicht mehr mithalten konnte. Aber sie verteidigte ihren 5. Platz souverän und sammelte 4 Punkte für die Mannschaft, quasi das Durchschnittsergebnis, das die NORDler in all ihren Wettkämpfen erzielten.

Für eine Athletin, die diese Sportart erst seit so kurzer Zeit betreibt, war bereits die Nominierung eine Ehre.

Auch Cosima muss in einem Atemzug mit Mila, Lisa und Caro genannt werden.

Mit 81 Punkten wurde der Allzeitrekord von 2014 deutlich verbessert. Vergleichbar sind die Zahlen jedoch nicht unbedingt, da seinerzeit weniger Disziplinen zu absolvieren waren. Das schmälert die Leistungen keinesfalls, weil ein wirklicher Vergleich nicht möglich ist. Klar ist, dass der neue Rekord nun bei 81 Punkten liegt.

Für 20:00 war die Siegerehrung geplant. Aufgerufen und geehrt wurden allerdings nur die ersten drei jeder Gruppe. Mit dem 5. Platz waren wir im Mittelfeld gelandet.

Die nicht zu ehrenden Mannschaften fanden sich auf dem Rasen für Fotos zusammen. Yvette Dounia (BSC R) war die Erste, die mit getauschtem Trikot und Trainingsjacke auftauchte. Und so ging es dann weiter. In die Aufstellungen zu den Mannschaftsfotos mischten sich immer mehr Athleten der anderen Vereine. Es wurden mehr und mehr. Am Ende bildete sich ein bunter Kreis aller Vereine. Ein wahrhaft schönes Bild, die Athleten aus allen teilnehmenden Nationen eng beieinander zu sehen. Wie Sport Nationen und Kulturen verbindet, konnte nicht besser demonstriert werden: United Nations of Sports.

Kurz vor halb 10 abends ging es dann wieder zum Hotel. Letztmalig traf sich die komplette Mannschaft zur Abschlussbesprechung.


Sonntag, den 22.09.2019, Abreisetag

Wieder gegliedert in 2 Gruppen reiste das Team wieder ab, die Gruppe Balceowski/Keil bereits gegen 05:30. Drei Stunden später shuttleten die Anderen nach Lissabon zum Flughafen. Auch auf der Rückreise mussten beide Gruppen umsteigen. Diesmal durften wir uns um die Verladung von Stab und Speer kümmern, denn die 1. Gruppe flog nach Schönefeld, wir nach Tegel.

Gegen 20:30 trennte sich die 2. Gruppe nach 3 ereignisreichen, anstrengenden, jedoch nicht zu missen wollenden Tagen.

Es hat einen riesigen Spaß gemacht, Teil dieses Teams gewesen zu sein. Tolle Athletinnen und ein super Trainerteam werden stets im Gedächtnis bleiben.

Die Hermsdorfer danken an dieser Stelle den Organisatoren und der gesamten Mannschaft.

Reinhard Moegelin