Zweimal Gold für die Frauen bei den Berlin-Brandenburgischen Meisterschaften


Medaillen-Festival am 22./23.08.2020 in Hohenschönhausen.

Cosima Scharf und Henriette Brüning (beide U20) hatten ganz auf die Sommersaison gesetzt und damit letztendlich die genau richtige Entscheidung getroffen.

Livia Eisenberg (U18), der Shooting-Star der Trainingsgruppe dringt in immer neue Dimensionen vor.

Diese drei waren die einzigen VfB-Frauen, die an diesen Meisterschaften teilnehmen konnten. Der Dienstherr von Antonia-Lavinia Marinov stellte sich quer und so blieb es bei eben nur“ 6 Medaillen, zweimal Gold, einmal Silber und dreimal Bronze.

Zu rechnen war im Vorfeld vielleicht mit 3 Medaillen.

Zu Gute kam freilich unseren Athletinnen, dass die Starterfelder zum Teil recht klein waren und einige Vereine ihre Teilnahme komplett absagten, um an lukrative(re)n anderen Meetings teilzunehmen. Das darf die Leistungen der Wettkämpfer insgesamt nicht schmälern, dann sie übertrumpften sich selbst mit persönlichen Bestleistungen.

Der Samstag begann für Livia mit dem Stabhochsprung. Gemeldet waren 3 Teilnehmerinnen. Mit dem Überspringen der Anfangshöhe wäre die ersehnte Medaille schon erreicht gewesen. Leider erschien die mit der besten Vorleistung gemeldete Athletin nicht. Das bedeutete (eigentlich), dass eine Meisterschaftswertung nicht zu Stande kommen konntealso, keine Urkunde, keine Medaille…

So kam es dann zu einem LG-internen Zweikampf. Milena Hoffmann (TF) war bereits 2,60 m gesprungen, hatte damit die bessere Vorleistung und war demnach Favoritin.

Livia konnte die gesamte Ferienzeit nicht trainieren, hatte nur einen Vorbereitungswettkampf, knapp 2 Wochen zuvor. Den sprang sie noch mit 7 Schritten Anlauf, ohne Spikes mit dem gesenkten Stab (Überkopfposition). In der verbleibenden Zeit stellte sie auf „russische Technik“, 10 Schritte Anlauf und Stab in Hochhalteposition um. Perfekt geht nicht, aber das, was sie da bereits umgesetzt hat, ist atemberaubend.

Bei 2,60 m war bei Milena Schluss, Livia meisterte diese Höhe und auch die 2,80 m souverän und scheiterte nur knapp an den 2,90 m.

Das hieß also, den „hausinternen“ Wettkampf für sich entschieden zu haben – aber keine Meisterehrung…

Apropos Ehrung: Medaillen und Urkunden durften sich die Athleten beim Verlassen des Stadions am Ausgang abholen.

Zur großen Überraschung gab es dann doch die verdiente Goldmedaille und die Urkunde. Dem Veranstalter sei Dank dafür.

Was für ein Auftakt…

Was sich an diesem Wochenende leider ausgesprochen misslich erwies, war der Wind. In nahezu allen Kurzsprintwetttbewerben blies er mehr als die erlaubten 2,0 m/s von hinten. Damit waren fast alle Leistungen zwar für die Meisterschaft gültig, finden aber keinen Eintrag in Besten- und Rekordlisten.

Als erste davon betroffen war – Livia. 13,68 sec auf 100 m. Damit hätte sie den Frauenrekord über 100 m verbessert (gehabt). 3,3 m/s Rückenwind verhinderten dies jedoch bei ihr, wie bei so vielen.

Es gibt zwar eine Faustregel: 0,1 m/sec entspricht einer Hundertstel Sekunde, aber das ist nun mal kein offizieller Wert. Er zeigt lediglich, in welchem Bereich man sich tatsächlich bewegt haben könnte. Livia weiß also, dass sie nun bereits deutlich unter 14 sec laufen kann, etwas, was sie für alle technischen Disziplinen als „Zubringerleistung“ benötigt. Als pBL wird diese Zeit dennoch bei ladv ausgeworfen.

Und dann war da noch der Diskus. Das Training musste dem Sommerurlaub leider untergeordnet werden. Dennoch sind die 21,70 m eine ausgesprochen ansprechende Leistung. Technisch waren da auch schon sehr gute Fortschritte erkennbar.

Damit war die Livia-Show zunächst mal unterbrochen.

Die gerade erstmal 18-jährige Henriette wagte sich auf die Stadionrunde. Die erfahrenste Athletin die VfB-Trios liebt diese Strecke wahrlich nicht, tat wohl ihrem Trainer den Gefallen, es sich selbst zu beweisen, dass sie auch 400 kann. Nach einem „Mittelstrecklerstart“ nahm Henriette deutlich Geschwindigkeit auf. Die Gegengerade mit dem starken Gegenwind zu meistern, war auch nicht selbstverständlich. Eigentlich konnten erst auf der Zielgeraden (da nutzt dann der Rückenwind auch nicht mehr) wirklich die Abstände zu den anderen Läuferinnen gesehen werden. Henriette hatte noch genug Power, um anzugreifen. Am Ende verfehlte sie Gold um 9 Hundertstel und wurde „nur“ Zweite.

Cosimas Lieblingsstrecke sind die 1500 m. Vor einem Jahr erlief sie sich die Bronzemedaille und wurde für den ECCC nominiert.

In diesem Jahr ist alles anders. Cosima und Henriette haben Abitur gemacht und müssen die Weichen für ihren späteren Beruf stellen. Dass da das Training nicht (mehr) oberste Priorität haben konnte war allen bewusst. Und dennoch haben sich unsere „Altstars“ grandios verkauft.

Cosima gelang es übrigens als Einzige, ihre Medaille aus dem Vorjahr zu verteidigen.

Sie legte einen soliden Lauf auf die Bahn. Die ersten 300 m waren genau „auf Punkt“, danach musste dann den Seitenstichen Tribut gezollt werden. Die Gegnerinnen waren an diesem Tag allerdings auch bärenstark. Selbst mit einer pBZ hätte es nicht zu Silber gereicht.

Zum Abschluss des 1. Tags durfte Livia erneut ran – diesmal in der zweiten 4 x 100 m-Staffel der LG NORD. Bei 5 gemeldeten Staffeln, war eigentlich nur mit einem Achtungserfolg zu rechnen. Livia zeigte als Startläuferin, dass ihre Einzelleistung vom Vormittag keine Eintagsfliege war. Überraschend kam die 2. Staffel auf den 3. Platz (ein Platz hinter LG NORD 1) – also zur Bronzemedaille.

Damit waren die Livia-Festspiele des 1. Tags beendet. Nach den 4 Disziplinen am Samstag folgten am Sonntag „nur“ noch 3 weitere.

Und wieder begann die Jüngste den Wettkampftag. Hürden mag sie besonders gern. 100 m Hü ist sie zwar noch nie gelaufen und den Dreierrhythmus über die gesamte Strecke durchzuhalten, war auch ein anspruchsvolles Ziel. Aber bisher hatte sie ja bei allen Disziplinen überzeugt. Notfalls hieß es, in den „Fünfer“ zu wechseln. Der Lauf selbst: Alles sehr gut. Leicht und elegant ging es vom Start weg über die Hürden, alles im „Dreier“ – bis zur siebten Hürde. Das Nachziehbein kam nicht mehr hoch genug und die Athletin stürzte. Wenig tröstlich, das auch diese Zeit den Windverhältnissen zum Opfer gefallen wäre… Das Finale hätte sie aber wohl sicher erreicht.

Wichtiger war allemal wie es um die Verletzung der Athletin bestellt war. Eine ziemlich böse Schürfwunde musste verpflastert werden. Aber, typisch Frau, da wurde nicht gejammert und lamentiert – eben der kleine Unterschied...

Da stellte sich dann eher für sie die Frage, was passiert, wenn das Pflaster im späteren 200 m-Lauf abfällt…

Auch Henriette nahm die 100 m Hü in Angriff. Bei ihren körperlichen Voraussetzungen konnte eigentlich auf ein spezielles Hürdentraining verzichtet werden. Also, allenfalls das absolut notwendige Etwas. Auch bei der Vorbereitung zum Lauf selbst, Andere haben sich aufwendig vorbereitet, Henriette verzichtete bereits nach dem einmaligen 2-Hürden-Überlaufen auf weitere Versuche. Als einzige U20-Athletin hätte sie das Schicksal von Livia vom Vormittag ereilen können. Mit ihrer eigenen Leichtigkeit schwebte sie über die Hürden im Dreier und konnte sich anschließend über ihre Goldmedaille freuen. Auch für sie: Kein Rekord, „nur“ eine pBL.

Dann wieder Livia mit der nächsten Disziplin in einem speziellen Siebenkampf. Bei den 200 m stieß die junge Athletin fast auch an ihre körperlichen Grenzen. Das Knie musste in Beugung schmerzen, auch wenn das offensichtlich verdrängt wurde. Das Pflaster hielt, der Rückenwind war unzulässig und trotzdem keine pBL. Im Tagestief fehlte es einfach an Kraft. Ein technisch passabler Lauf und die Erkenntnis, dass der „echte“ Siebenkampf im Oktober noch anstrengender wird.

Ihre letzte Disziplin des Gesamtwettkampfs war der Hochsprung. Gemeldet waren 3 Teilnehmerinnen. Also hieß es: Die Anfangshöhe von 1,35 m zu meistern. Im Training war Livia bereits 10 cm höher gesprungen. Dennoch war die Einstiegshöhe kein Selbstläufer. Zudem stellte sich heraus, dass trotz Nichtnachmeldemöglichkeit eine 4. Athletin im Rennen war. Das machte die Sache spannender. Die 3 Konkurrentinnen hatten ausnahmslos Bestleistungen jenseits der 1,50 m verbucht, sodass zunächst der gültige Versuch das Ziel sein musste. Souverän meisterte Livia auch die nächste Höhe: 1,40 m. Damit egalisierte sie den Frauenclubrekord. Der nunmehr sehr böige Wind verhinderte dann die 1,44 m, zwar denkbar knapp, aber eben doch.

Mit ihren Leistungen hat Livia ein neues Kapitel in der VfB-Leichtathletik aufgeschlagen. Wir können nur hoffen, dass uns die überaus sympathische Spitzenathletin lange erhalten bleibt.

Da Antonia nicht am 5000 m-Lauf teilnehmen konnte, bildeten die 800 m die letzte Disziplin mit VfB-Beteiligung.

Cosima vergewisserte sich nach dem Startschuss nach hinten, ob der Gehörsinn intakt war. Für sie war es sicherlich kein Nachteil im Feld mitzuschwimmen. Henriettes Paradestrecke sind nun mal die beiden Stadionrunden. Sie kennt jeden Meter und kann sehr gut einschätzen, wie sie mit ihren Kräften haushalten muss. Geschickt an Position 4 liegend, ging sie kein Risiko ein und vertraute ihrer Sprintfähigkeit. Cosima folgte, musste jedoch abreißen lassen. Die 800 sind einfach zu kurz für sie. Auf der 500er-Geraden bereitete Henriette ihren Angriff bereits vor, ließ der bis dahin Drittplatzierten zu Beginn der Kurve den Vortritt, ging nach 550 m langsam aus dem Windschatten heraus, um im Sprint auf Platz 3 zu laufen. Eine taktische Meisterleistung. Platz zwei oder eins wären sogar möglich gewesen, jedoch nach dem unregelmäßigen Training der letzten Monate wohl des Guten zu viel.

Cosima lief ein sehr solides Rennen durch und bewies, dass eine exzellente Mittelstrecklerin ist.

Mit 6 Medaillen bei Berlin-Brandenburgischen Meisterschaften sind alle Erwartungen mehr als erfüllt worden, zweimal Gold gab es noch nie.

Wir können mehr als stolz auf unsere Top-Athletinnen sein. Und sagen herzlichen Glückwunsch.

Livia teilt sich mit anderen Athletinnen Platz 41 der Deutschen Bestenliste im Stabhochsprung. Schwester Alissa liegt auf Rang 29. Wir sind also auch weiterhin gut aufgestellt.

Henriette wird bald für ein Jahr nach Lauenburg gehen, Antonia ist bereits seit Anfang Juni in Prenzlau und ob Cosima ihre berufliche Zukunft auf Berlin abstellen kann, muss abgewartet werden. Wir wünschen unseren Athletinnen, die uns über Jahre so viel Freude gebracht haben, alles Gute für den nächsten Lebensabschnitt.


Statistik:


Name

AK

Disziplin

Leistung

Bemerkung

Livia Eisenberg

U18

100 m

13,68

Vorlauf

PBL

Kein CR (Wind: +3,3 m/s)



200 m

30,02

28. Pl.

Wind: +3,3 m/s



100 m Hürden

-

Aufgabe nach Sturz



4 x 100 m-Staffel

54,00

3. Pl.



Hochsprung

140

4. Platz

PBL (CR eingestellt U18, U20, F)



Stabhochsprung

2,80

1. Pl.

PBL, CR U18, U20, F



Diskus

21,70

8. Pl.

PBL

Henriette Brüning

U20

400 m

64,04

2. Pl.

PBL, CR U18, U20, F



800 m

02:31,56

3. Pl.



100 m Hürden

18,25

1. Pl.

PBL

Kein CR (Wind: +3,5 m/s)

Cosima Scharf

U20

800 m

02:41,42

5. Pl.



1500 m

05:33,38

3. Pl.